WEIHNACHTEN - FEST DES VERTRAUENS

24 December 2017

Kann man Vertrauen berechnen?
Sascha Wustmann

Weihnachten, das Fest der Liebe! Weihnachten……

 

…. ist auch ein Fest des Vertrauens!

 

Mit dem Weihnachtsfest feiern die Christen, dass Jesus geboren wurde, und seitdem dieses Fest gefeiert wird, besinnt man sich damit auch alljährlich auf das Vertrauen in Gott und in Jesus. Man vertraut darauf, dass sie Schutz geben, dass alles schon gut werden wird, denn man vertraut darauf, dass Jesus die Sünden der Welt auf seine Schultern nimmt und mit Gottes Hilfe die Menschen von allem Übel befreit werden. Letztlich wird gefeiert, dass man Jesus all sein Vertrauen schenken kann und dadurch enorme Erleichterung und Ruhe empfinden darf. Also: Weihnachten, Fest des Vertrauens!

Ein Grund, sich in dieser Zeit des Jahres die Frage zu stellen:

 

Was genau ist denn eigentlich Vertrauen?

 

Ohne Vertrauen ist soziales Leben unmöglich. Jeder Kontakt zu anderen, jeder Umgang mit anderen, erfolgt mit einem gewissen Maß an Vertrauen. Wir vertrauen z.B. darauf, dass sich die anderen Menschen im Straßenverkehr an die Regeln halten, so dass wir sicher an unser Ziel gelangen. Würden wir nicht darauf vertrauen, könnten wir am Straßenverkehr aus lauter Angst vor einem Unfall nicht mehr teilnehmen.

 

Wie kann man Vertrauen definieren? Ein Vorschlag ist: Vertrauen ist die Erwartung, nicht durch das Handeln der anderen benachteiligt zu werden. Umgekehrt heißt das: Wenn ich vertraue, gehe ich das Risiko ein, persönlich einen Nachteil zu erfahren.

 

Wie aber entsteht die Sicherheit darin, dass ich keinen Nachteil haben werde? Warum empfinden wir Vertrauen je nach Situation und Person als unterschiedlich groß?

 

Dazu hier ein Denkansatz, ein Modell. Ich stelle zur Diskussion, dass Vertrauen aus drei wesentlichen Faktoren besteht.

 

VERTRAUEN = FAKTEN + STATISTIK/ERFAHRUNG + MUT

 

Je nachdem, wie stark diese Faktoren ausgeprägt sind, habe ich entweder viel oder eher weniger Vertrauen.

 

Ein Beispiel: Das Unternehmen ABC hat für das Projekt XY Fördermittel beantragt. Das Projekt XY ist äußerst wichtig für den weiteren Erfolg des Unternehmens. Der Antrag erfordert eine ausführliche Präsentation. Der Geschäftsführer muss nun auswählen, welcher seiner Mitarbeiter die Präsentation halten soll. Es gibt zwei Mitarbeiter, die aktuell an dem Projekt arbeiten und daher zur Wahl stehen:

 

Mitarbeiter 1 verfügt über die notwendige technische Qualifikation (Fakten). Zudem ist er schon 20 Jahre in der Firma und hat schon viele ähnliche Projekte durchgeführt (Erfahrung). Der Mitarbeiter ist zum Zeitpunkt der Präsentation allerdings im Urlaub.

 

Mitarbeiter 2 verfügt ebenfalls über die notwendige Ausbildung zum aktuellen Thema des Projektes (Fakten). Er ist seit drei Monaten im Unternehmen und arbeitet zum ersten Mal an einem solchen Projekt (Erfahrung). Der Mitarbeiter ist hoch motiviert und lernt jeden Tag schnell dazu.

 

Für wen wird sich der Geschäftsführer entscheiden? Wieviel Mut braucht es, sich für Mitarbeiter 2 zu entscheiden, damit man Mitarbeiter 1 nicht bitten muss, den Urlaub zu unterbrechen? Es wäre doch eine riesiger „Vertrauensbeweis“, wenn Mitarbeiter 2 geschickt wird und die Präsentation erfolgreich hält. Oder ist das Vertrauen in Mitarbeiter 1 größer, weil man ihn länger kennt?

 

Warum sagen wir: Ich vertraue dieser Person blind? Ist es, weil wir so mutig sind, dass wir der Person, trotz mangelnder Fakten und Erfahrung, trotzdem vertrauen? Oder haben wir mit der Person schon so viel positive Erfahrung gesammelt, dass wir nicht mehr viel Mut für unser Vertrauen benötigen?

 

Ist das Vertrauen, bei dem mehr Mut eingesetzt wird, das größere Vertrauen, oder das wertvollere? Oder ist es einfach nur das Vertrauen, bei dem wir mehr Risiko einsetzen?

 

Das Element „Mut“ wird dadurch beeinflusst, wie sehr uns die Konsequenzen belasten werden, wenn unser Vertrauen enttäuscht wird. Wenn wir eine neue Sorte Schokolade testen, haben wir vielleicht das Wissen, dass das Geschäft, in dem wir die Schokolade kaufen, uns nicht betrügen wird und uns nichts Ungenießbares verkauft. Wir haben eine gewisse Erfahrung mit anderen Schokoladensorten, so dass wir in etwa einschätzen können, ob diese neue Sorte unseren Geschmack trifft. Unser Risiko ist der Verlust von wenigen € und vielleicht ein fieses Geschmackserlebnis. Somit brauchen wir nicht allzu viel Mut einzusetzen, um das Vertrauen aufzubauen, die neue Schokolade zu probieren.

 

Geht es hingegen um eine neue Finanzanlage, die uns im Internet angepriesen wird, von der wir bisher noch nicht viel wissen und mit der wir überhaupt noch keine Erfahrung gesammelt haben, dann ist es vermutlich nicht nur mutig, sondern sogar eher leichtsinnig, das eigene Vermögen in diese Anlage zu investieren. Tun wir es doch, sind wir enorm mutig und schenken diesem unbekannten Angebot großes Vertrauen.

 

Ist das Vertrauen umso größer, je mutiger wir sind? Oder braucht es mehr Vertrauen, je größer die möglichen Konsequenzen für uns sind?

 

Wie sehr vertrauen Sie Ihrem Vorgesetzten? Ihren Kollegen? Ihren Mitarbeitern?

 

In dieser Zeit aber doch noch wichtiger:

 

Worauf vertrauen Sie an den Weihnachtstagen? Auf einen gemütlichen Abend mit der Familie? Oder können Sie gar darauf vertrauen, dass irgendeiner bestimmt wieder anfangen wird, zu zanken? Vertrauen Sie auf ein leckeres Essen? Sind Sie mutig und probieren etwas Neues aus? Ein neues Gericht, oder ein neues Restaurant? Oder setzen Sie lieber auf gestärktes Vertrauen durch ein hohes Maß an Sicherheit und Erfahrung, indem Sie die Weihnachtsgans so anrichten, wie Sie es schon seit Jahren tun und weil Sie die Tradition lieben?

 

Worauf vertrauen Sie für das neue Jahr? Vertrauen Sie auf gute Geschäfte? Auf hohe Umsätze? Auf ein friedliches Miteinander in der Familie oder bei der Arbeit? Vertrauen Sie darauf, dass Sie Ihre guten Vorsätze in diesem Jahr aber ganz bestimmt umsetzen werden? Wem wollen Sie im kommenden Jahr besonderes Vertrauen schenken? Wie sehr möchten Sie Ihrem Kind vertrauen, die Straße schon ganz alleine zu überqueren oder den Baum ohne Ihre Hilfe hochzuklettern?

 

Nicht alle Fragen lassen sich klar beantworten, schließlich sind die hier beschriebenen Gedanken nur eine Theorie, ein Denkansatz.

 

Vielleicht geben meine Gedanken aber einen kleinen Anstoß, über die Feiertage hier und da innezuhalten und sich darüber klar zu werden, wie wichtig Vertrauen in unserem Leben ist.

 

Somit wünsche ich ein wunderbares Weihnachtsfest mit vielen Menschen um Sie herum, denen Sie großes Vertrauen schenken können. Außerdem wünsche ich einen guten Start in das neue Jahr, in dem Ihr Vertrauen in die Menschen um Sie herum, Ihr Vertrauen in die Dinge sowie Ihr Vertrauen in die „Welt an sich“ möglichst nicht enttäuscht werden möge, und in dem auch Sie es schaffen können, das Vertrauen, das andere Menschen in Sie setzen, weiter zu stärken.

 

Alles Gute und herzliche, weihnachtliche Grüße

Janine Völkert-May

 

 

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